Das Grundprinzip: Assoziationen

Figuren lernen ist zusammen mit Fakten lernen eine echte Goldgrube, denn die meisten können mit genug Übung nahezu volle Punkte holen. Bei den großen Untertests wie Diagramme und Tabellen oder Textverständnis ist das deutlich schwieriger.

Die Technik dahinter ist im Prinzip dieselbe wie bei Fakten lernen: Du versuchst, in jeder Figur etwas Konkretes zu sehen und es an ein Bild in deinem Kopf zu koppeln. Der Unterschied ist, dass es bei Figuren keine Methode gibt, die für alle gleich funktioniert. Jeder tickt hier ein bisschen anders, und ein großer Teil des Trainings besteht darin, herauszufinden, welcher Mix für dich am besten funktioniert.

Dein Ziel ist nicht, die perfekte Assoziation zu finden. Dein Ziel ist, schnell eine Idee zu finden, die gerade gut genug ist, und sie so zu stärken, dass sie nach der Ablenkungsphase noch da ist. Drei mittelmäßige Assoziationen, die du ordentlich stärkst, bringen mehr Punkte als eine einzelne ausgefeilte.

Assoziationen finden

Bevor du loslegst, verschaff dir kurz einen Überblick über alle 20 Figuren. Frag dich: Welche sehen sich ähnlich? Wie kann ich sie trotzdem unterscheiden? Dieser kurze Scan dauert nur ein paar Sekunden und spart dir später viel Ärger.

Das Grundkonzept sollte immer die Abgrenzung sein. Wenn viele Figuren die gleiche äußere Form haben, musst du die inneren Linien nutzen. Wenn innen alles gleich aussieht, musst du die äußere Form nutzen.

Eine Technik, die manche nutzen, ist der Eckentrick: Wenn beim ersten Überblick auffällt, dass mehrere Figuren das schwarze Feld an ungefähr derselben Stelle haben, merkst du dir nur die Position. Das ist riskant, wenn du alle Figuren schaffst. Wenn du aber regelmäßig nicht fertig wirst, kann es helfen, ein paar Extrapunkte mitzunehmen.

Wenn eine Figur eine besondere Form hat

Auch wenn diese leichten Fälle im TMS seltener werden, müssen sie sitzen. Hier kombinierst du die äußere Form direkt mit der schwarzen Fläche zu einem Bild.

Vier Figuren mit auffälligen äußeren Formen für den Untertest Figuren lernen
Bei besonderen Formen darf die erste brauchbare Idee reichen.

Das erste Bild könnte ein Vulkan sein, bei dem eine Person das von der Seite fließende schwarze Magma berührt. Das zweite eine Gitarre, deren Griff mitsamt der oberen linken Hälfte abgebrochen ist. Das dritte könnte eine alte Person sein, die sich zum Schutz vor der Sonne eine Kappe aufsetzt. Das letzte wirkt wie ein Sackgassen- Schild, dessen Spitze brennt.

Nimm einfach das Erste, was dir halbwegs im Kopf hängen bleiben könnte. Diese Figuren sind eine gute Übung, und mit der Zeit kommen die Ideen immer schneller.

Wenn sich mehrere Figuren ähneln

Das ist inzwischen der häufigste Fall: Es gibt vier bis fünf Gruppen von Figuren, die man von der äußeren Form kaum noch auseinanderhalten kann. Hier muss der Fokus auf den inneren Unterschieden liegen.

Vier ähnliche Figuren, die über innere Linien unterschieden werden
Wenn die äußere Form ähnlich ist, wird die schwarze Fläche zur Hauptfigur deiner Geschichte.

Stell dir vor, die äußere Form bildet eine Art Rahmen, wie ein Fenster, durch das du auf eine Szene blickst. Die schwarze Fläche sollte dabei im Mittelpunkt der Handlung stehen. Das erste Bild könnte zum Beispiel ein Flaschengeist sein, dessen Deckel gerade geöffnet wurde und der aus seinem Korb fliegt.

Wichtig dabei: Prüfe kurz, ob du dieselbe Geschichte auch in den ähnlichen Figuren wiederfinden könntest. Wenn ja, ist sie nicht geeignet. Die ganz rechte Figur könnte zum Beispiel ein Hahn sein, der seinen Kopf zurücklehnt und sich an einer Spitze stößt. Diese Spitze grenzt die Szene klar von der ersten Figur ab.

Assoziationen stärken

Hast du eine Idee für die Figur, sei es auch eine schwache, musst du sie so fest im Kopf verankern, dass die Zertrümmerungsphase sie nicht mehr ausradiert. Die Assoziation selbst muss dafür nicht besonders kreativ sein, auch wenn es natürlich hilft.

Zwei Figuren als Beispiel für starke und schwache Assoziationen
Manche Bilder springen sofort ins Auge, andere brauchen eine kleine Geschichte.

Das erste Bild erinnert mich sofort an einen Elefanten mit einem schwarzen Kopf und Rüssel. Das zweite ist kniffliger. Ich hätte vielleicht einen Menschen gesehen, der seinen linken Ellbogen über den Kopf zieht. Die generische Person hat man nach einer halben Stunde aber vielleicht schon vergessen. Deswegen musst du sie stärker machen.

Mach eine Geschichte draus

Wie bei Fakten lernen bleiben Geschichten viel besser hängen als einzelne Bilder. Die Figur selbst merkst du dir durch eine Geschichte besser, und wenn du einzelne Figuren miteinander verknüpfst, reicht es manchmal, wenn du dich an eine der beiden erinnerst. Die andere kommt dann gleich mit.

Bleiben wir bei den Beispielen: Die Person zieht so fest an ihrem Arm, dass sie sich den Kopf einquetscht, bis er erst rot wird und dann zerplatzt. Das ist kein schönes Bild, aber genau deshalb bleibt es hängen.

Der nächste Schritt wäre, diese Person mit dem Elefanten zu verknüpfen. Am besten mit einer Kausalität: Der Elefant ist mit Kopf und Rüssel in einen schwarzen Farbtopf gefallen und rennt blind durch die Gegend, direkt auf die Person zu. Die Person bekommt Panik und quetscht sich vor Schreck mit dem Arm den Kopf.

Es muss keinen Sinn machen. Hauptsache, es ist eindrücklich und lässt sich gut vorstellen. Verbinde aber nicht zu viele Figuren krampfhaft miteinander. Fünf Viererketten sind meist effektiver als eine lange Geschichte, bei der du den Anfang vergessen hast, bevor du in der Mitte ankommst.

Mach es persönlich

Wenn es sich anfühlt, als wärst du selbst Teil deiner Geschichte, wirst du sie dir noch besser merken. Auf einmal ist es nicht mehr irgendeine Person, die Angst hat, weil der Elefant auf sie zurennt, sondern du selbst oder jemand, den du gut kennst. Das erzeugt deutlich stärkere Emotionen.

Wie du üben solltest

Figuren lernen ist der Untertest, den ich am häufigsten geübt habe, und meiner Meinung nach auch der, den man am häufigsten üben sollte. Die Fähigkeit, sich abstrakte Figuren einzuprägen, wird sonst nirgendwo abgefragt, und der Unterschied zwischen wenig und viel Training ist hier riesig.

Manche empfehlen, nur alle zwei bis vier Tage zu üben, um Verwechslungen mit alten Assoziationen zu vermeiden. Ich habe deutlich häufiger trainiert, oft jeden zweiten Tag, teilweise öfter, und bin überzeugt, dass der Übungseffekt diese Verwechslungsgefahr klar überwiegt. Die einzige Ausnahme sind die letzten zwei Tage vor dem TMS, da würde ich aufhören.

Da Figuren nur mit Zertrümmerungsphase wirklich testnah trainiert werden kann, ergibt es Sinn, Figuren und Fakten immer gemeinsam und in Kombination mit einem längeren Untertest zu üben. Es ist anstrengend, aber für das Ergebnis lohnt es sich.

Noch wichtiger ist die Nachbereitung: Welche Figuren hast du verwechselt? Welche Assoziationen haben über die Stunde gehalten, welche nicht? Überlege dir für die Assoziationen, die nicht gehalten haben, in Ruhe neue. Diese Arbeit sparst du dir in der nächsten Simulation und später auch im TMS.

Was mache ich, wenn es nicht funktioniert?

Dass du am Anfang wenige Figuren richtig hast, ist kein Grund zur Sorge. Figuren lernen fühlt sich die ersten Male fast unmöglich an und wird dann erstaunlich schnell besser, sobald dein Gehirn versteht, was es tun soll.

Wenn du nach zwei bis drei Wochen regelmäßigen Trainings keine Fortschritte siehst, schau dir deine Nachbereitung genauer an: Liegt es daran, dass du keine Assoziationen findest, oder daran, dass du sie nach einer Stunde nicht mehr abrufen kannst? Das sind zwei unterschiedliche Probleme mit unterschiedlichen Lösungen.

Beim Finden helfen Themenübungen. Nimm dir ein Set und versuche, alle Assoziationen nur zu einem bestimmten Thema zu finden, zum Beispiel Essen, Sport oder Tiere. Eine andere Möglichkeit ist die Assoziationsuhr: Du legst vorher fest, welche Uhrzeit für welches Thema steht. Abhängig von der Lage der schwarzen Fläche hast du dann sofort eine Richtung, in die deine Assoziation gehen kann.

Beim Abrufen liegt es meistens daran, dass die Assoziationen nicht emotional genug sind. Versuch bewusst, absurdere, persönlichere und klarere Geschichten zu bauen.